Morgens kurz vor sieben starten wir. Diesmal also früher als sonst. Und das hat einen Grund: wir haben heute 35km vor uns, von Tui nach Arcade.
Der Start holpert ein wenig. Pilgertouristen in großen Gruppen okkupieren - laut grölend - die beiden offenen Bäckereien in Tui. Also gehen wir los, ohne gefrühstückt zu haben. Erst nach 5km finden wir ein Frühstück, das dafür aber um so besser ist. In einem kleinen Dorf hat jemand seinen Garten zur Pilgereinkehr hergerichtet. Der Kaffee schmeckt lecker, die Milch ist heiß, es werden sehr herzliche Worte getauscht. Alles im kleinen Rahmen, irgendwie authentisch und gemacht für die "echten" Pilger. Wer weiß ob die Pilgergroßgruppen hier überhaupt vorbei geführt werden.
Wir treffen Mutter und Sohn aus Trier bei dieser ersten Rast. Der Junge ist seit vier Tagen zwölf und sichtbar stolz darauf, mit Mama pilgern zu sein. Das ist bei uns auch so, wie Sohnemanns Blick verrät.
Gestärkt nach diesem wunderbaren Frühstück geht es bald weiter. Am Ausgang des Gartens liegt noch das Gästebuch. "Thank you for coffee and smile early in the sunday morning!". Zu mehr reicht mein etwas verstaubtes Schulenglisch nicht. Aber irgendein Dankeschön wollte ich da lassen.
Nach einigen Kilometern erreichen wir ein Naturschutzgebiete. Wie im Urwald fühlt es sich hier an. Und mit vollem Bauch und viel Optimismus lässt sich dieser Ort so sehr genießen, dass unser Schritt für eine Weile deutlich langsamer wird.
Ab da werden Kilometer gemacht. Unser Tempo ist so unglaublich hoch, dass wir irgendwann scheinbar allein auf der Strecke sind. Später am Tag fordert der Körper dafür seinen Tribut. Auf den letzten Kilometern schmerzt das rechte Knie wie die Hölle. Aber dafür kommen wir gut voran.
Durch O Porrino und Redondela führt unser Weg heute. Beide Orte sind wirklich nicht schön. Aber was soll's. Wir wollen hier ja nicht wohnen, sondern nur unseren Weg finden.
Nach Redondela wird es wieder schöner. Zwischen Feldern und an Waldrändern entlang geht es nach Arcade. Wir treffen zwischendurch Patrizia und ihren Mann Guido. Mit beiden haben wir bereits den Abend in Varinhas verbracht. Jetzt laufen wir ein Stück gemeinsam und bemerken dann, dass wir im selben Hotel gebucht haben.
Einem schönen Abend steht also nichts im Weg. Und ich erinnere mich an Guidos Spruch: "Kein Caminho ohne vinho!". 😃
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