Samstag, 14. Juli 2018

Angekommen

Hier stand ich vor einem Jahr schon einmal. Damals mit Django nach unserem gemeinsamen Camino Portugues. Jetzt sind wir zu viert und genießen es, angekommen zu sein. In Familie und jeder ein bisschen auf seine Art und Weise.
Es war ein spannender Weg mit mancher Überraschung und mancher Herausforderung. Am Ende zählt, die Herausforderungen gemeistert zu haben. Und es zählen die vielen schönen Erlebnisse, Eindrücke und Bekanntschaften. Andrea und Iris aus Fulda, Raphael und seine Frau aus irgendwo in Polen, Tessa und ihre Freundin aus Esslingen, der irgendwie immer halbnackte Italiener. Ach ja, wir natürlich auch. Es ist schon spannend, sich unter so ganz anderen Bedingungen zu erleben. Spannend und hilfreich für das Miteinander in "normalen Zeiten".
Heute haben wir Santiago genossen. Morgen geht es dann hoffentlich ganz entspannt zurück nach Deutschland. Und dann ist noch ausreichend Zeit, nachwirken zu lassen.
Bye, bye, Camino Ingles! Danke für deine Geduld mit uns und Danke dafür, dass du uns getragen hast!

Freitag, 13. Juli 2018

Wieder unterwegs...

Es ist schön, nach einem Tag Pause wieder unterwegs zu sein, zurück auf dem Weg. Der Camino begrüßt uns mit schönem Wetter, wunderbar verwachsenen Landschaften und wieder einmal netten Begegnungen. Eine Gruppe Spanier überholt uns gleich nach dem ersten Kilometer in Supertempo. Später holen wir sie wieder ein. Der Camino bestimmt eben, wie schnell du gehen kannst, nicht du selbst.
Unsere erste Pause legen wir heute nach 4km ein. Der Aufsteller eines Cafés prophezeit, dass es in den nächsten 13km - also bis zum Ende der Etappe - keine weitere Einkehrmöglichkeit mehr gibt. Das stimmt so natürlich nicht, aber zum ersten Kaffee bzw. Eistee motiviert das Schild auf jeden Fall. Außerdem gibt es so gleich den ersten Stempel des Tages.
Weiter geht es dann durch urige Landschaften, zwischen Farnwäldern, Maisfeldern und teils unter Palmen entlang. In so abwechslungsreicher Umgebung vergehen die Kilometer wie im Flug. Und die Wegweiser, die die immer weiter schwindende Entfernung bis Santiago anzeigen, tun ihr Übriges zur Motivation.
Allein die letzten Kilometer vor Sigüeiro führen entlang einer Autobahn und ziehen sich daher ein wenig. Das Ziel vor Augen, ist das aber hinnehmbar. Immerhin wartet mit Sigüeiro der bislang zweitschönste Etappenort nach Betanzos auf uns. Und die mit Abstand allerbeste Herberge auf dem Camino Ingles. Alle Herzlichkeit, die wir bislang erfahren haben, ist nicht zu vergleichen mit dem Empfang hier in der Albergue de Camino Real. Als ob du nach Hause kommst, fühlt es sich an. Essen, Trinken, Naschzeug - alles ist natürlich da. Und im Mittelpunkt der Herberge steht das Foyer, in dem du die anderen Gäste einfach treffen musst. So gibt es am Nachmittag schon die ersten Gespräche mit Pilgern aus Polen und Deutschland. Spanier und Italiener kommen später hinzu. Und endlich einmal ist es einfach nur schön, abends nebenbei das zu essen, was man eben noch schnell im Supermarkt gekauft hat, statt nach einem Menu del Dia zu suchen.
Und es finden sich nette Leute, um Rotwein und Käse zu teilen und gemeinsam Karten zu spielen. Was für ein schöner Tag!
Morgen wartet Santiago de Composrela auf uns.

Donnerstag, 12. Juli 2018

Spieltag

Nach einer recht unruhigen Nacht haben wir beschlossen, einen Tag Pause zu machen.
Milla geht es scheinbar wieder besser. Aber Elli und Django sind ganz schön blass um die Nase.
 Also lassen Milla und ich die beiden nach einem kleinen Frühstück wieder ins Bett. Wir gehen für den Vormittag in die Apotheke, den Supermarkt und vor allem auf den tollen Spielplatz nicht weit vom Hotel.
Park infantil - so heißt das hier. Und tatsächlich ist es eher ein Park als ein Platz. Mitten in der Stadt, geöffnet von 9 bis 22 Uhr. Zwar mit recht viel Beton, jedoch unter allen Spielgeräten dicke Fangmatten. Hier spielt es sich schön, man (Kinder und Erwachsene) begegnet sich, kann sich aber auch gegenseitig in Ruhe lassen und ganz für sich sein. Milla und ich wenden unsere kargen Spanischkenntnisse voller Begeisterung an. "Ola!" hört man Milla rufen, wenn ein Kind näher kommt. Und manches mal bekommt sie dafür ein "Ola!" zurück. Dann strahlt sie und ist ganz stolz.

Meine Kenntnisse reichen mittlerweile für Minigespräche über das Alter des Kindes, wie lange wir bleiben und dass wir auf dem Camino Ingles unterwegs sind. "Er spricht in Dreiwortsätzen." 😃
Den Rest des Tages lassen wir ruhig angehen. Django und Elli werden bei Wasser und Zwieback gehalten. Milla und ich werden später noch einmal spielen gehen. Und morgen kann es dann hoffentlich weitergehen.


Mittwoch, 11. Juli 2018

Der Tag danach...

Nach der großartigen Etappe gestern hatten wir uns für heute nur 11km vorgenommen. Gleich nach dem Aufstehen wurde klar, dass dies schon anstrengend genug werden würde. Django meinte, dass ihm schlecht sei, Milla bekommt gerade Zähne und hat böse Durchfall. Und zu allem Überfluss hat sie sich beim Frühstück in der Hotelbar erst einmal ordentlich übergeben. Gestern war wohl doch ganz schön viel für alle.
Wir ließen es also sehr ruhig angehen, machten uns gegen neun auf den Weg und freuten uns über einen bedeckten Himmel und gerade einmal 20 Grad. Unterwegs gab es neben schönen Abschnitten durch Wald und Feld auch viele Stücken auf der Landstraße. Mit dem Wagen lassen diese sich allerdings sehr gut laufen. Genau das richtige für heute.

Zwei uns entgegenkommende leere Busse im Nirgendwo warfen Fragen auf. Ein paar hundert Meter später hatten wir die Antwort. Offensichtlich gehen gerade ein oder zwei Schulklassen den Weg. Andrea erzählte davon gestern schon. Bei den wenigen Herbergsplätzen in der Gegend hier können sie eigentlich nur jeden Tag zum Etappenstart und vom Etappenziel gefahren werden und irgendwo weiter weg schlafen. Die Schülerinnen waren, ebenso wie ihre beiden Lehrerinnen ganz entzückt von Milla - und weckten sie mit ihrer lauten Freude direkt auf. Der Schlaf bis dahin im Wagen hatte der Maus aber offenbar sehr gut getan. Ab da war sie so neugierig, kuschelig und freudig wie in den Tagen zuvor. In La Rua begeisterte sie wieder einmal eine Barbesitzerin und hatte danach sogar Lust, ihren Kamillentee zu trinken.
Für uns vier hieß es dann nach gut 10km erst einmal, vom Camino Abschied zu nehmen. Wir übernachten heute gute 3km vom eigentlichen Weg entfernt in einem Hotel in Ordes. Uns erwartete ein schönes Hotel, der Waschsalon und eine Supermercado sind direkt gegenüber - beste Voraussetzungen also, um den Nachmittag und Abend zur Erholung zu nutzen und uns für die letzten beiden Etappen unseres gemeinsamen Abenteuers zu wappnen.

Dienstag, 10. Juli 2018

Zeichen

Die heutige Etappe - 28km bei zwischendurch 32 Grad - schien uns von vornherein als in Komplettbesetzung unschaffbar. Also sollten Elli und Django sie komplett zu laufen versuchen. Milla und ich wollten anfangs gänzlich auslassen und den Bus nehmen. Gestern Abend beschlossen wir dann, zumindest den Beginn mit zu laufen und irgendwo zwischendrin, im Outdoor-Reiseführer stand etwas von einer Bar nach 17km, in ein Taxi umzusteigen. Gekommen ist es ganz anders. Und es fühlt sich so an, als haben am wenigsten wir damit zu .

Der Wecker klingelte bereits um sechs. In unserer Pension - einer Plattenbauwohnung am Stadtzentrum von Betanzos - übernachteten noch neun andere Pilger. Um früh starten zu können galt es, vor ihnen durch das einzige Bad der Pension gekommen zu sein. Das haben wir geschafft. Und nachdem die Sachen gepackt waren und Milla sich noch ihr "Ola, bella Chica!" abgeholt hatte, machten wir uns auf den gemeinsamen Weg. Der Camino empfing uns freundlich mit der notwendigen Morgenkühle für den ersten Anstieg direkt nach dem Start. Zweihundert Höhenmeter auf 1,8km klingt nicht viel. Ist es aber. Spätestens mit Rucksäcken, Croozer und Baby. Aber wir schafften es dank der morgendlichen Motivation. Ein wenig skeptisch beobachteten wir die Autos, die so früh die abgelegene Straße herauf fuhren. Pilgergepäckdienste sind hier keine Seltenheit.
Natürlich macht es da stolz, wenn man alles selbst zu tragen schafft!
Durch sehr schöne Landschaften ging es bergan und bergab. Nur ein längerer Abschnitt führte uns wieder an einer Straße entlang und der Camino ließ uns länger als in den Tagen davor im Unklaren, ob wir noch richtig sind.
Als die Kräfte das erste mal zu schwinden drohten, tauchte aus dem Nichts eine kleine Dorfraststätte auf. Und davor saßen auch noch ausgerechnet jene Pilgerfreunde, die uns gestern im Waschsalon so lieb halfen. Es gab ein sehr freudiges "Hallo!", das sich später wiederholte, als noch andere uns von den letzten Tagen bekannte Pilger eintrafen. Irgendwann waren lachend und grüßend dann auch die Pensionsnachbarn da.
Milla hielt es in Trage und Wagen gut aus, so dass wir beschlossen, gemeinsam weiter zu laufen. Nach 7km lud uns eine Casa am Wegesrand zum Verweilen und Mittagessen ein. Wir trafen hier Andrea und ihre Freundin, bekannte Gesichter vom ersten Tag an, und verbrachten Mittagszeit und Essen bei einem sehr schönen Gespräch

Die Wirtin war ganz entzückt von Milla. "Bambina, Bambina!" Ob wir denn mit ihr auf dem Weg wären, wollte sie wissen, und war von der Antwort ganz angetan. Für unsere Kleine gab es Saft und Kekse umsonst. Wir machten uns über das Pilgermenü her.
Noch höchstens 5km sollten es bis zur nächsten Casa sein, von wo aus man ein Taxi rufen lassen könnte. Die wollten wir noch schaffen. Auf den dann folgenden Aufstieg wollten Milla und ich verzichten.
Nach einer Weile standen wir vor einem recht steilen Wegabschnitt. Die Casa hatten wir noch nicht gesehen. Irgendwo da oben musste sie sein! Oder noch ein Stück weiter? Gleich hinter der Bergkuppe bestimmt! Und dann doch nicht...
Stück für Stück kam das Gefühl auf, dass wir gerade auf jener steilen Steigung sein müssten. Und mit diesem Gefühl einher ging eine sehr warme Freude und ein Hoffen, dass wir es schaffen könnten. Gemeinsam als Familie jeden einzelnen Meter dieser längsten und schwierigsten Etappe des Camino Ingles zu Fuß!
Milla kuschelte sich in der Trage an meinen Rücken, zwischendurch ging der Blick immer wieder zu Mama und Bruder. Und dann wieder ankuscheln. Als wollte sie mir flüstern: "Papa, wir schaffen das!"
Und wir haben es geschafft! Auch die letzten Kilometer. Überglücklich am Ziel und mit der Gewissheit, dass es kein Zufall gewesen sein kann, die Casa nicht zu finden.


Montag, 9. Juli 2018

Pilgeralltag

Und irgendwann fühlt es sich an, als sei es das Normalste auf der Welt... Morgens die Rucksäcke packen, den Wagen startklar machen und los geht's. Es ist noch angenehm kühl am frühen Morgen. Spätestens gegen zehn - die ersten 7 bis 8 Kilometer sind dann bereits geschafft - wird es unangenehm warm. Solange aber laufen wir. Augen und Herz sind offen für schöne Momente und interessante Begegnungen. Und derer gibt es viele, wenn man es nicht zu eilig hat.
Heute sind es unterwegs vor allem die Einheimischen, die uns immer wieder fröhlich grüßen oder uns neugierig nachschauen. Ein sehr entspannter Menschenschlag scheint das hier zu sein. Etwas anderes wäre bei der Hitze hier wohl auch kaum vorstellbar.
Heute kehren wir endlich in die erste kleine Dorfkneipe ein. Bislang hatten wir sowas noch nicht gefunden. Morgens um zehn öffneten sich die Türen und gleich saßen die ersten drei, vier Leute für ihren morgendlichen Milchkaffee beisammen. Nach ein paar kurzen Gesprächen miteinander gingen die Leute ihrer Wege, der Wirt buchte seine Lotterieverkäufe vom Vortag ein und machte sich dann daran, die Mittagszeit vorzubereiten. Wir zogen weiter und nahmen uns ein Stück von dieser Gelassenheit mit.
Landschaftlich war der Weg heute wieder sehr schön, viel Grün, tolle Aussichten über Täler hinweg, Minze, Zitronenmelisse und Salbei am Wegesrand und immer wieder Zitronen- und Orangenbäume, direkt in Mino zum Tagesauftakt sogar ein Kiwi-Strauch.
Dass es sich mittlerweile"ganz normal" anfühlt, jeden Tag zu laufen, macht es auch möglich, unterwegs die Gedanken schweifen zu lassen oder miteinander in solche Gespräche zu kommen, für die man sich sonst im Alltag extra Zeit nehmen muss - oder es am Ende eben doch lässt.
Und so gesellen sich zu den schönen Bildern von unserem Weg auch schöne Bilder von kleinen Träumereien oder den ganz festen Vorhaben für unsere Zukunft.
Am Ende des Tages treffen wir in Betanzos Pilger wieder, die wir auf dem Weg schon ein paar mal getroffen haben. In der Kirche miteinander über den Camino und die Erfahrungen der letzten drei Tage ins Gespräch zu kommen, macht den Tag zu einem fast perfekten Pilgertag.
Wir sind gespannt, was der Weg für uns noch bereit hält.


Sonntag, 8. Juli 2018

Tag am Meer

Man mag ja denken, dass man es sich mit kurzen Etappen leicht macht. Ist aber nicht so, zumindest nicht, wenn man nicht allein geht.
Es gilt zu schauen, wem es zu kurz ist, um sich auf dem Weg zu fühlen; wann es morgens losgehen soll; wie schnell man sein mag; wann man pausiert; wann die Herberge am Ziel aufsucht und was dann danach tut.
Auf langen Etappen ist das klar. Man geht morgens los, schaut dass man gut vorankommt und ist nachmittags über das Bett. Wir haben heute das Finden von Kompromissen geübt. Am Ende waren es recht zügige Kilometer auf einem wirklich schönen Teilstück des Camino Ingles. Am Ziel, der kleinen Touristenstadt Mino, angekommen, haben wir das Gepäck abgestellt, sind erst über den Markt und später dann an den Strand gegangen. Das erste mal Salzwasser für Milla. Und ein Riesenspaß, wenn die Wellen über die Füße schwappten.
Der Weg, auch wenn er kurz war, begegnete uns heute mit ein wenig mehr Tiefe. Gegensätze des Seins - so könnte man das heutige Stück überschreiben. Viel lebendiges Grün, ab und an schlimme Betonpisten für laut vorbeirasende Autos, schöne kleine Dörfer mit schnuckeligen alten Häuschen und laute Städte mit hässlichen Wohnblocks, bei-sich-sein-können und von den Gedanken anderer mitgenommen werden. "I arrived nowwhere." Dieser letzte Satz eines Pilgergebets, hinterlassen in einer schützenden Folie an einem Baum, direkt vor dem längsten Anstieg des Tages, ist etwas das bleibt. Ankommen irgendwo ganz hier und jetzt, ganz bei sich selbst, dafür ist der Weg ganz sicher gut.

Samstag, 7. Juli 2018

Tag der Begegnungen

Pilger mit "leichtem Gepäck", zwei Frauen aus Deutschland, die wir gestern schon trafen und zügig wandernde Männergruppen - wir haben heute das Gefühl, mit vielen anderen Pilgern unterwegs zu sein. Das ist schön und fühlt sich deshalb gut an, weil der Weg ansonsten sehr viel Ruhe bietet.



Heute ging es über sehr schöne Strecken, durch Wald und auf die ersten Berge, durch schnuckelige spanische Dörfer und mit Fene und Pontedeume durch zwei Städte. Mit Wagen sind die Berge eine echte Herausforderung, zum Glück können Django und ich uns beim Schieben abwechseln. Milla genießt es, geschoben zu werden und erntet schmunzelnd von gefühlt jedem Spanier und jeder Spanierin Aufmerksamkeit. Es ist unglaublich schön, erleben zu können wie Kinder hier gemocht und mit Aufmerksamkeit bedacht werden. Schon dadurch kommen wir immer wieder mit freundlichen Menschen in Kontakt.
Aber auch darüber hinaus hält der Camino für uns interessante Begegnungen bereit. Es war so gegen zehn Uhr, gerade hatten wir den ersten Anstieg des Tages geschafft. Da stellte sich uns ein freundlich dreinschauender älterer Herr in Arbeitskleidung in den Weg. Für ihn war wohl völlig klar, dass wir als peregrinos gerade furchtbare Anstrengungen zu bewältigen haben, zumal mit dem kleinen Kind im Wagen. Deshalb lud er uns auf eine Pause bei einem Glas Wein ein. Wir lehnten zwar dankend ab, die Geste aber wirkte bei uns noch lange nach. Später, wir machten gerade mitten im grünen Nirgendwo Rast im Schatten, trat eine ältere Frau zu uns und fing ebenso enthusiastisch wie die ältere Herr zuvor an, mit uns zu reden. Wahrscheinlich hat sie gar nicht mitbekomme, dass wir kein Spanisch sprechen. Sie redete ohne Punkt und Komma, dafür aber mit so viel Herzlichkeit. Wir nickten und stimmten so zu, wenn wir etwas zu verstehen meinten. Um die anstrengenden Berge ging es, um unsere Milla und darum, dass es gut ist, den Weg nach Santiago zu gehen. Nach einer Weile verabschiedete sie sich. Was sie uns daließ, war einmal mehr das Gefühl, hier willkommen zu sein.

Und schließlich hielt unser Weg wieder die eine oder andere Begegnung mit uns selbst bereit. Es scheint als fragt er: "Wie sehr vertraust du dir und mir?" oder "Was bist du bereit zu erdulden?" Die Antwort liefert er dann später, gefühlt immer im genau richtigen Moment. Sind wir gerade noch richtig? Mit diesem Zweifel lässt uns der Camino mehr als einmal allein. Und genau in dem Moment, wo wir uns über Karte oder Hady versichern wollen, gibt er uns ein Zeichen. Ein Schild, ein Pfeil - so als ob er sagt: "Lerne zu vertrauen!" Nach und nach gelingt das auch und wir laufen in der Gewissheit, gut anzukommen.
Was für eine schöne Erfahrung!

Freitag, 6. Juli 2018

Die ersten Kilometer in Familie

Heute Morgen war noch das Mietauto abzugeben. Dann ging es los. Am Kilometer 0 des Camino Ingles starteten wir mittags direkt im Hafen von Ferrol. Es braucht eine Weile, um zu viert einen gemeinsamen Laufrhythmus zu finden. Aber nach 3 - 4 Kilometern klappte es dann ganz gut. Die spanische Sonne meint es sehr gut mit uns, mehr als 15km sind so gar nicht zu schaffen, auch wenn das für Django und mich als alte Camino-Hasen eine eher kurze Distanz ist. Aber als Familie ist es genau richtig so.
Das gute Gefühl, vom Camino mitgenommen und beschenkt zu werden, stellt sich schon auf dieser ersten Etappe ein. Es ist einfach wundervoll, die leuchtenden Augen von Elli zu sehen, die Freude über jede Wegmarkierung. Und es ist großartig zu erleben, wie entspannt Milla sich im Wagen chauffieren lässt, wie aufmerksam sie dabei aber die Menschen und die Umgebung wahrnimmt.
Spanien ist ein unglaublich kinderfreundliches Land! Wo auch immer wir hinkommen, wird Milla mit einem Lächeln und herzlichen Worten begrüßt. So macht es wirklich Spaß, in Familie unterwegs zu sein und die Sorge, dass es mit Milla schwieriger werden könnte, ist längst wie weggeblasen.


Jetzt gilt es noch, den Abend gut ausklingen zu lassen. Das Pilgermenü mit Gemüsesuppe und Spaghetti hat schon dafür gesorgt, dass wir satt sind. Django hat sich über Schrimps gefreut. Bis es draußen etwas abkühlt und wir drei "Großen" schlafen gehen können, werden wir noch spielen. Und die Eindrücke dieses ersten Tages setzen lassen.
Morgen geht es dann nach Pontedeume.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Ola Espana!

Angekommen! Nach 5 Stunden Zugfahrt, 3 Stunden Flug und 600km im Auto sind wir in Ferrol und haben gerade unsere erste Nacht in Spanien hinter uns. Milla hat die lange Reise ganz großartig ausgehalten. Django kommt wohl so langsam wieder in Pilgerfieber, Elli ist ganz hibbelig und ich habe das Gefühl, endlich wieder zurück sein zu dürfen. Zurück auf "meinem Weg", den ich natürlich sehr gern teile.

Seit dem vergangenen Jahr ist so unglaublich viel Schönes passiert. Und so manches davon war inspiriert durch unsere letztjährige Pilgertour. Jetzt bin ich ganz neugierig, wie die Wiederholung so wird und wünsche uns und allen anderen auf dem Weg "bon camino!"

Mittwoch, 4. Juli 2018

2018 - Der Familienweg / Wir sind dann alle mal weg!

Unglaublich, dass es am Ende doch geklappt hat! Um 05:14 Uhr am Donnerstag beginnt unser Weg - der Weg als Familie. So ganz sicher war es bis zuletzt nicht, ob wir dieses Vorhaben nun tatsächlich in die Tat umsetzen können. Aber jetzt ist es Gewissheit.
Zug, Flug und Mietwagen sind gebucht. Die erste Unterkunft in Naron auch. Von dort aus wird es am Freitagmorgen dann nach Ferrol gehen, unserem Startpunkt auf dem Camino Ingles. Der "Englische Weg" soll uns über ca. 120km nach Santiago de Compostela führen. Elli, Django, Milla und mich. Zugleich ist dieser Pilgerweg unsere Hochzeitsreise, unser erstes gemeinsames Abenteuer als Eheleute und eine kleine Prüfung für uns als "Patchwork-Familie".

Nachdem Django und ich im vergangenen Jahr den camino portugues gelaufen sind (hier noch zu finden sind die Posts des letztjährigen Blogs "VaterSohnPilgern"), wollen wir es diesmal zu viert wagen. Mal sehen, wie es Milla gefallen wird. Notfalls wechseln wir einfach auf Strandurlaub. :-)

Ich hoffe, ihr begleitet uns ein Stück unseres Weges und drückt uns die Daumen für das Gelingen unseres Abenteuers!