Samstag, 3. August 2019

Dankeschön!

Irgendwo zwischen "Es ist geschafft!" und "Es ist schon wieder vorbei." ist die Gefühlslage bei unserer Ankunft am Bahnhof Wehr-Brennet. Es waren zusammen fast 170km in sechs Tagen. Es waren viele sehr beeindruckende Momente, sehr viele wunderschöne Naturansichten. Das beruhigende Rauschen der Bäche, die fast immer unseren Weg begleiteten, bleibt hoffentlich noch lang in Erinnerung. Es waren Momente von "Augen zu und durch!" und jedes mal haben wir es geschafft. Dabei lässt sich nicht einmal sagen, ob die Etappen beeindruckender waren, bei denen wir abends die großartigen Bilder in Ruhe angeschaut und ausgewertet haben, oder jene, nach denen wir einfach nur noch ins Bett gefallen sind. Dass beides auf einem Weg möglich war, hat es wohl ausgemacht.
In manchem Moment war die Sehnsucht nach Zuhause groß. Aber diesen Weg jetzt gegangen zu sein, genau jetzt nach den so aufwühlenden letzten beiden Wochen, war genau richtig. Denn am Ende waren die kleinen Herausforderungen hier für ziemlich großartige Erkenntnisse gut. Und dieser eine Moment des gefühlten Durchdrungen-Seins von aller Energie, die es braucht um optimistisch nach vorn zu schauen, wäre mir nirgendwo anders begegnet als genau hier.
In Portugal habe ich dieses Gefühl schon einmal erlebt. Es war die sichere Basis für viele wundervolle Dinge, die ich mit den mir lieben Menschen erleben durfte. Und nun auf einmal ist wieder dieses Gefühl da, das alles so selbstverständlich schaffbar erscheinen lässt. Genau im richtigen Augenblick.
Es ist Zeit Danke zu sagen. Danke an den Menschen, der wieder einmal lange vor mir wusste, dass es richtig sein wird, loszugehen. Und der mir den Weg erst ermöglicht hat, geduldig Zuhause wartend und meine Zweifel und Fragen ertragend. Meine Ermutigerin, Hinterfragerin, Zuhörerin. Danke mein Schatz!

Jetzt heißt es Abschied nehmen von wilden Schluchten. Abschied nehmen vom Gefühl der absoluten Entschleunigung auf einem Weg, dem es egal ist ob du mittags oder abends am Ziel bist und was das Ziel überhaupt ist. Es heißt sich zu verabschieden von den Menschen, die uns irgendwie begleitet haben auf diesem Weg. Auch wenn sich hier nicht das Gemeinschaftsgefühl der Pilgernden einstellt, wusste man doch voneinander, hat sich gegrüßt und gern ein Lächeln verschenkt. Abschied nehmen heißt es vom Waldbaden in der wirklich einmalig schönen Natur hier und von der Reduktion der Tagesaufgaben auf Loslaufen, Essen und Trinken nicht vergessen, Ankommen und dazwischen einfach alles Genießen.
Und vielleicht gelingt es, das Eine oder Andere mit zu nehmen und Zuhause ein Stückchen bewahren zu können. Ich freue mich darauf!


Freitag, 2. August 2019

Im Netz dem Ziel entgegen

Wanderwegnetze haben einen Haken. Sie sind ein Netz. Nett, wenn man sich so ein bisschen im Grünen hin und her bewegen mag. Deprimierend, wenn man auf einem Fernwanderweg Kilometer machen will. Wanderwegerfinder überlegen sich, an welchen schönen Plätzen sie die Wandernden vorbei führen wollen.
Im Zusammenspiel mit dem Wegenetz passiert nun folgendes: Die Langstreckenwanderer orientieren sich an den Wegmarkuerungen und folgen so den Ideen der Wegerfinder. Die Spaziergänger gehen ihre Ründchen. Wegen der Vernetzung kreuzen die Spaziergänger dann den Fernweh. Aber sie sind "schneller", gehen sie ja nur von A nach B.

Sei es drum. Der Weg heute war nett. Schöne Gipfel, nette Täler, ein bisschen Nach, ne Menge Wald - man nennt Wandern gut ja auch Waldbaden - und mit Todtmoos ein schönes Städtchen auf dem Weg. Aber so energetisch wie gestern war es dann nicht. Kann es aber auch nicht jeden Tag sein. 😀



Donnerstag, 1. August 2019

auf Abwegen

Das gestrige Tagesziel war auch das heutige. Wir bleiben eine zweite Nacht in St. Blasien und werden dem Schluchtensteig für einen Exkurs auf den Albsteig untreu.
Die  sagt, als Genießertour sind es vier Etappen. Als sportliche Variante sei es in zwei Tagen machbar. Der alte Mann und sein Sohn machen's an einem Tag.
Wie bekloppt muss man eigentlich sein? Na ja, so bekloppt eben: 37km Wegstrecke, von 600m ü.n.N. auf zwischenzeitlich 1.400m, entlang des wunderschönen Albsteigs von St. Blasien über Menzenschwand zum Feldbergpass und über das Herzogenhorn und Bernau zurück nach St. Blasien.
Und wofür das Ganze? Für solche Momente.
Und wenn dein 16jähriger Sohn auf dem Berg steht, ringsum nur Wald und Berge sieht und dazu sagt: "episch!", dann hast du als Vater irgendwie das Gefühl, viel richtig gemacht zu haben.
Nicht dass ich ihn da hoch genötigt hätte. Ganz im Gegenteil. Meine Devise für den Tag war "erstmal losgehen und schauen". Natürlich hatte ich für alle möglichen Orte entlang des Weges die Busabfahrzeiten parat. Natürlich wusste ich, wo auf der Strecke es wie anstrengend werden sollte und welchen Teil man weglassen könnte.
Vor dem Herzogenhorn war auch ich derjenige, der die Frage stellte, ob wir den da vor uns liegenden Anstieg wirklich nehmen wollten oder einfach links abbiegen und gekonnt um den Gipfel herumlaufend den Heimweg antreten.
Am Ende war es seine Motivation oder sein Übermut oder sein Größenwahn, der uns da hoch gebracht hat. Aber der Moment auf dem Gipfel war unser gemeinsamer.
So wie die Höhenangst auf jedem steilen Hangabschnitt der folgenden 18km.

Zum Glück ist man am späten Nachmittag im Wald fast allein. So hat niemand das Fluchen des alten Mannes über schmerzende Knie und nicht enden wollende Strecken auf dem Rückweg gehört. Irgendwie aber muss man sich am Ende eines solchen Tages ja nach Hause bringen. Um dann das Glück über den geschafften Weg ganz auskosten zu können.





Mittwoch, 31. Juli 2019

höchster Punkt, größter See

Weg aus Lenzkirch. Mit ein bisschen Wehmut. So ein Schwimmbad hat schon was!
Dafür ist der Weg heute gnädig mit dem etwas angeschlagenen älteren Mann. Wenige Anstiege, die dann aber Recht sanft. Schöne Weitsichten bis in die Schweizer Alpen. Mit 1.150m stand heute zudem der höchste Punkt des Schluchtensteigs auf dem Programm. Zuvor musste die Nordspitze des Schluchsees begangen werden - und damit ein offensichtlicher Tourismus-Hotspot des Hochschwarzwald. Zum Teil fünf Wanderwege teilten sich eine Strecke. Und bevor der Weg wieder in den Wald abbog auch eine Vesperstation. Die wiederum würde bei uns wohl Ausflugslokal heißen.
Sei es drum. Heute gab es endlich die Wander-Infrastrukutur, die wir vor allem gestern vermisst haben: hin und wieder eine Einkehrmöglichkeit, regelmäßig Entfernungsangaben und vor allem regelmäßig eine Trinkwasserquelle, in welcher Art auch immer.
So macht Wandern richtig Spaß, auch wenn die Sonne sich heute eher versteckte und manche Berge doch recht hoch schienen.

Geschafft haben wir am Ende alle. Und zum Lohn wartete diesmal die Pension direkt am Ortseingang auf uns. Willkommen im Blauen Haus hieß es so schon gegen drei. Und dann erst einmal die Beine hoch.



Dienstag, 30. Juli 2019

Konfrontationstherapie






Lenzkirch, ein Ort der so ist wie er heißt. So hätte es Wiglaf Droste gesagt. Alle Häuser, alle Straßen wie geleckt. Vor jedem Haus mindestens zwei Autos. Und zwei Alibi-Fahrräder. Der Rest ist irgendwie in den Achtzigerjahren hängen geblieben. Aber nett. Durchaus nett. Nur dass das Restaurant in unserem Hotel Montag und Dienstag zu hat. Die Alternative wäre das andere Hotel, am anderen Ende des Ortes. Da waren wir heute aber schonmal. Und werden es morgen früh wieder sein.
Also bleibt eine Bestellung beim örtlichen Döner. Die Karte dafür gab es an der Rezeption.
Aber was soll's. Es ist nur der Etappenzielort heute. Und der Weg hierher war atemberaubend. Schluchtensteig in reinster Form. 30km im Tal am Wasser, hoch oben in den Felsen, irgendwo dazwischen bei einem der zahllosen Auf- und Abstiege. 80m über dem Wasser auf einem Weg, der sich am Felsen entlang zieht. Die Absturzkante mit einem Balken gesichert. Mehr nicht. Und mehr geht wohl kaum an Högenangst-Therapie. 😀
Am Ende des Tages ist da ein bisschen Stolz auf die eigene Überwindung. Und die Feststellung, dass es gar nicht so schlimm war.
Und es bleiben unglaublich schöne Bilder in Erinnerung und auf dem Handy. Wasserfälle, Felsen, uralte Bäume, Natur pur. Und ganz viele freundliche Gesichter der gefühlt hunderten Wanderer, die uns begegneten und immer einen Gruß für uns übrig hatten.
Was für ein schöner Tag!

Montag, 29. Juli 2019

Wofür es gut ist...

Wofür es (alles) gut ist, wird sich am Ende zeigen. Kopf, Herz, Bauch, Beine... Sowas deutet sich jetzt schon an. Mal schauen.

Ein paar hundert Kilometer südlich von Zuhause. Irgendwo in einem Städtchen, das genau so zu sein scheint, wie die anderen Städtchen, durch die wir gerade gefahren sind. Wie in den Achtzigerjahren einmal hier her gemalt. Aber auch wieder nett irgendwie.
Und wie der Anfang aller Wanderwege ist auch dieser Anfang gar nicht mal so attraktiv. Es braucht einen Moment, sich einzustellen auf die kleinen Schildchen am Wegesrand. In diesem Jahr leuchten keine gelben Pfeile den Weg förmlich aus...
Nach ein paar hundert Metern fängt es dann aber an zu schwingen. Weg von der Straße, ran an den Bach. Nach ein paar Kilometern dann das erste Mal verlaufen. Das schärft die Aufmerksamkeit.
Spektakulär sollte es werden. So sagte es die Internetseite unseres Wanderwegs. Und das wurde es auch. Schluchtensteig, das beinhaltet schließlich die Worte Schlucht und Steigen. Aus dem grünen Tal wurde eine Schlucht mit reißenden Bach. Und am Rande der Schlucht, entlang des Felsens stieg der Weg beständig an. Irgendwann ging es nicht wirklich mehr gut, den Blick in die Tiefe der Schlucht zu richten.
Solche Wege sind gut geeignet, sich der eigenen Höhenangst zu stellen. Dafür war es an Tag 1 also auf jeden Fall gut.
Und für eine Überraschung. Sechs Kilometer vor dem heutigen Etappenziel fusioniert der Schluchtensteig auf einmal mit einem Jakobsweg. Da war es dann auf einmal wieder, dieses Gefühl vom auf dem Weg sein. Und just in diesem Moment die spannende Begegnung mit einem Menschen,  der Wanderer einfach so bei sich Willkommen heißt. Eine Toreinfahrt mit offener Tür, ein Kühlschrank, ein paar Schokoriegel, ein Gästebuch und heißes Wasser für einen Pulverkaffee.
Ich bin gespannt, was sich in den kommenden Tagen so auftut.





Sonntag, 28. Juli 2019

Alle Zeichen auf...

Montagmorgen, 2:50 Uhr, Weckerklingeln.
Wer ist auf die blöde Idee gekommen, schon den Zug um 4:00 Uhr nehmen zu wollen? Und was ist das da draußen für ein Geräusch?
Nach Wochen der Trockenheit regnet es. Am Montagmorgen, kurz vor drei. Super! Wenigstens ist das Regenzeugs im Rucksack gut verstaut.
Aus dem Bett gequält, Bad geschafft. Beim Frühstück dann nochmal fix der prüfende Blick in die Bahn-App: "Zug fällt aus". Guten Morgen auch dir, liebe Bahn! Nachdem der erste Adrenalinschub verarbeitet ist, führt der zweite Blick in die App zur Erkenntnis, dass es einen Ersatzzug gibt. Selbe Zeit. Leider ohne Sitzplatzreservierung. Und "vsl. wird der Anschluss (in Frankfurt) nicht erreicht". Aber hey, es ist Urlaub. Mich stresst hier nichts. Nicht Montagmorgen um vier.