Donnerstag, 6. Juli 2017

Etappe 4 - Aushalten können

Ein wenig fällt es schwer, sich heute morgen auf den Weg zu machen. Die Begegnungen des Vorabends hatten unsere Casa zu einem schon fast vertraut wirkenden Ort gemacht. Der Tag sollte später jedoch zeigen, dass der morgendliche Aufbruch gar kein so richtiger Abschied sein sollte. Zumindest Pia und Cathleen scheinen in etwa in unserem Tempo unterwegs zu sein, sodass wir sie zur zweiten Rast das erste mal wiedersehen und sich das später noch zweimal wiederholt.
Im Übrigen erleben wir heute, dass wir tatsächlich in Gemeinschaft pilgern. Aus irgendeinem Grund treffen wir heute so viele Mitpilger, dass es zwischenzeitlich regelrecht eng wird auf dem Waldweg. Und auch wenn diese Menschen fremd sind, erscheinen sie beim gemeinsamen Laufen doch wie Freunde. Schließlich folgen wir demselben Weg, werden von den Bewohnern der Dörfer hier alle - mal mehr mal weniger euphorisch - gegrüßt und kehren alle in den gleichen Cafés am Wegesrand ein!
Der Weg an sich unterscheidet sich von den Vortagen. Romantische kleine Gassen, endlos erscheinende Weinberge, die eigentlich keine Berge sind, dazwischen kleine Kapellen an gefühlt jeder Kreuzung, wildromantische Waldwege und schließlich ein Dorf wie aus dem Bilderbuch nach dem nächsten.
Mein Thema des Tages ist "Aushalten". Aushalten, dass der erwachsene Vater am Morgen natürlich mit mehr Weitblick packt. Aushalten, dass es das erste mal auf unserer Pilgertour regnet. Aushalten, dass Sohnemann zwischendurch die so wunderbar erscheinende Stille immer mal wieder durch das Zitieren einer "Line" - also eines Reims aus einem HipHop-Songs - unterbrechen muss. Aushalten, dass zwölf Kilometer ganz schön kurz sind und man allein eigentlich noch viel weiter hätte gehen können. Schließlich aber auch Aushalten, dass all das ziemlich kurz gedachte Kategorien sind, in denen man sich da schnell verfängt. Eigentlich nämlich ist es ziemlich super, dass man als Vater einen Sohn hat, der mitten in einem Alter, in dem andere von PC, Playstation und Co. nicht loszueisen sind, auf die Idee kommt Wandern zu gehen und sich dabei so tapfer schlägt.
Manchmal braucht es auch die anderen, die dir in zwei kurzen Sätzen sagen, worauf du stolz sein solltest. Heute waren das die Bedienung im Frühstückscafé, jene im Mittagsimbiss und die Rezeptionistin im Hotel. "Which is his age? What, 14 years? Wow!" Stimmt, darauf kann man stolz sein als Vater.

Ponte de Lima - unser heutiges Pilgerziel - ist eine größere Stadt. Lauter als alles gestern, aber wiederum ziemlich romantisch an einem Fluss, dem Rio Lima, gelegen.
Im abendlichen Regen betrachtet, ist es trotzdem gar nicht mal so toll hier. Vielleicht ist die Stille des Tages dann doch das angenehmere Gefühl. Die Leute vom Old Village Hostel reißen das aber alles raus mit ihrer unglaublich netten Art. Klar, wir sind in Portugal. Wir sind am Caminho. Hier ist man eben so...

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