Freitag, 7. Juli 2017

Etappe 5 - Ponte de Lima bis Rubiäes

"Danke, dass du mir die Kraft gibst, diesen Weg zu gehen!"
Diesen Satz habe ich ein paarmal im Kopf auf der heutigen Etappe. Noch am Vorabend sind wir am Scherzen darüber, dass die hohen Berge am anderen Ufer die Wege-Markierer einladen müssten, gelbe Pfeile direkt bis zum Gipfel zu zeichnen. Am Ende des heutigen Tages wissen wir, dass sie genau das getan haben. Und nicht einfach so bergan, sondern durch steile Hohlen - solche, in denen man mit den Händen den Boden vor sich berührt, während die Füße versuchen, Höhenmeter zu überwinden. Viermal wiederholt sich diese Übung insgesamt, jeweils fur einige hundert Meter. Dann ein Waldweg, eine Kurve und der nächste Aufstieg.
Am Ende jedes Anstiegs findet sich ein Platz, an dem Pilger Steine aufstapeln. Um ein Kreuz oder auf einem Felsen, Stein auf Stein oder versehen mit bunten Bändchen, Segenswünschen auf kleinen Zetteln oder Danksagungen an Verstorbene.
Nach der Erfahrung dieser Aufstiege verwundert es mich nicht, dass Menschen hier ganz bei sich sind, bei ihren Lieben und beim Nachdenken darüber, wer und was ihnen Kraft verleiht. Auf diesem Weg wächst Glauben. Und niemand zwängt dir auf, woran du glauben sollst. Ich für mich jedenfalls weiß es heute Abend ein bisschen mehr.



 
Angekommen in Rubiäes stellen wir fest, dass das Dasein als Pilger auch Momente von Dekadenz aufweisen kann. Pool, Zimmer mit eigenem Bad und Doppeldusche, ein Weinregal und die Tatsache, dass der Wirt des einzigen Restaurants im Ort uns mit dem Auto abholt und später wieder zur Unterkunft fährt, fühlen sich fast unwirklich an. Aber au verdient.
Schließlich sehen wir noch einige unserer Mitpilger vom Vortag wieder. Und nachdem wir zweimal gefragt werden, ob wir DAS Vater-Sohn-Duo seien, ist klar, dass der Weg zusammenführt, man voneinander weiß auch ohne sich getroffen zu haben.
So erfahren wir in der Unterkunft dass Steffi hier gestern Abend angekommen und heute weiter gegangen ist. Sie war gestern morgens mit uns gestartet und sozusagen den doppelten Weg gegangen. Wir waren ein wenig in Sorge, ob sie das bei dem schlechten Wetter gestern geschafft haben könnte. Und es beruhigt, dies jetzt sicher zu wissen.
Glauben mag keine Berge versetzen. Sie zu überwinden hilft er aber in jedem Fall.


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