Samstag, 7. Juli 2018

Tag der Begegnungen

Pilger mit "leichtem Gepäck", zwei Frauen aus Deutschland, die wir gestern schon trafen und zügig wandernde Männergruppen - wir haben heute das Gefühl, mit vielen anderen Pilgern unterwegs zu sein. Das ist schön und fühlt sich deshalb gut an, weil der Weg ansonsten sehr viel Ruhe bietet.



Heute ging es über sehr schöne Strecken, durch Wald und auf die ersten Berge, durch schnuckelige spanische Dörfer und mit Fene und Pontedeume durch zwei Städte. Mit Wagen sind die Berge eine echte Herausforderung, zum Glück können Django und ich uns beim Schieben abwechseln. Milla genießt es, geschoben zu werden und erntet schmunzelnd von gefühlt jedem Spanier und jeder Spanierin Aufmerksamkeit. Es ist unglaublich schön, erleben zu können wie Kinder hier gemocht und mit Aufmerksamkeit bedacht werden. Schon dadurch kommen wir immer wieder mit freundlichen Menschen in Kontakt.
Aber auch darüber hinaus hält der Camino für uns interessante Begegnungen bereit. Es war so gegen zehn Uhr, gerade hatten wir den ersten Anstieg des Tages geschafft. Da stellte sich uns ein freundlich dreinschauender älterer Herr in Arbeitskleidung in den Weg. Für ihn war wohl völlig klar, dass wir als peregrinos gerade furchtbare Anstrengungen zu bewältigen haben, zumal mit dem kleinen Kind im Wagen. Deshalb lud er uns auf eine Pause bei einem Glas Wein ein. Wir lehnten zwar dankend ab, die Geste aber wirkte bei uns noch lange nach. Später, wir machten gerade mitten im grünen Nirgendwo Rast im Schatten, trat eine ältere Frau zu uns und fing ebenso enthusiastisch wie die ältere Herr zuvor an, mit uns zu reden. Wahrscheinlich hat sie gar nicht mitbekomme, dass wir kein Spanisch sprechen. Sie redete ohne Punkt und Komma, dafür aber mit so viel Herzlichkeit. Wir nickten und stimmten so zu, wenn wir etwas zu verstehen meinten. Um die anstrengenden Berge ging es, um unsere Milla und darum, dass es gut ist, den Weg nach Santiago zu gehen. Nach einer Weile verabschiedete sie sich. Was sie uns daließ, war einmal mehr das Gefühl, hier willkommen zu sein.

Und schließlich hielt unser Weg wieder die eine oder andere Begegnung mit uns selbst bereit. Es scheint als fragt er: "Wie sehr vertraust du dir und mir?" oder "Was bist du bereit zu erdulden?" Die Antwort liefert er dann später, gefühlt immer im genau richtigen Moment. Sind wir gerade noch richtig? Mit diesem Zweifel lässt uns der Camino mehr als einmal allein. Und genau in dem Moment, wo wir uns über Karte oder Hady versichern wollen, gibt er uns ein Zeichen. Ein Schild, ein Pfeil - so als ob er sagt: "Lerne zu vertrauen!" Nach und nach gelingt das auch und wir laufen in der Gewissheit, gut anzukommen.
Was für eine schöne Erfahrung!

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